Heute morgen spielte sich ab Punkt 5.37 Uhr ein herrliches, während meiner gesamten Schulzeit (und die war lange!) nie- da gewesenes Schauspiel ab. Um genau diese Uhrzeit ging ein ohrenbetäubendes, gnadenlos schrilles, lautes um nicht zu sagendes rhythmisches Pfeifen in Form eines Feueralarmes los und riss mich abrupt aus meinem Schlaf, der eigentlich eine Stunde später durch die leisen Klänge meines Radioweckers beendet werden sollte.
Also wachte ich völlig irritiert auch- ohne zu wissen, was eigentlich los war- und wollte mich nochmal umdrehen, weil ich dachte, dass nur jemand die Haustür nicht richtig zugemacht hat.
(Man muss dazu sagen, dass ich derzeit in einem kleinen Zimmer eines Wohnheimes residiere, dessen Tür für alle Mieter mit einer Schließanlage verriegelt.Diese Anlage hat den Vor- bzw. für alle Mieter den Nachteil, dass sie, wenn man die Tür nicht richtig auf- bzw. abschließt ein nervtötendes Piepsignal an die Pforte weitergibt.)
Trotz der Überlegungen war ich mir unsicher, wie ich mich verhalten sollte und wollte mich am Verhalten der anderen Bewohner orientieren, da sich dieses Vorgehen auch an brisanten Tagen wie dem Freitag, an dem der Unterricht aufgrund von Schneefalls bewert hatte. Also ging ich in voller Schlafmontur (bestehend aus T-Shirt und Unterwäsche) aus der Tür um nach dem Rechten zu sehen. Just in diesem Moment fiel mir auf, dass ich keine Anzeige aufgrund von sexueller Belästigung oder von Erregung eines öffentlichen Ärgernisses durch meinen Anblick ohne Hose riskieren wollte, also ging ich wieder in mein Zimmer um mir wenigstens meine Schlafdecke überzuwerfen.
Mit der Schlafdecke das Nötigste verdeckt ging ich also wieder raus, als mir die gesamte Nachbarschaft (wobei Nachtbar besser passen würde) in voller Bekleidung (Winterjacke, Stiefel, Mütze und Co) entgegenkam. Gott sei Dank war meine direkte Nachbarin bereit mir zu sagen, dass ich mich doch anziehen sollte, damit wir rauskönnen. Wobei durch ihre Anfeuerungsrufe im Sinne von "Anziehen. Anziehen. Zieh dich an!" deutlich wurde, dass ihr Freund Fußball spielt und sie des öfteren bei Spielen dabei ist. Also schaffte ich es in geschätzten 30 Sekunden meine Jeans, einen Pulli, eine Fleecejacke und meine Winterjacke inklusive der Berufsschuhe an zuziehen. (Bei der Wahl der Berufsschuhe stand nicht der Gedanke der Sicherheit im Vordergrund, sondern mehr die Tatsache, dass diese sich in greifbarer Nähe, vorne geschlossen (keine frierenden Füße) und schnell an zuziehen waren.)
Nachdem ich angezogen war, wurden die Parolen geändert und die Anfeuerungsrufe kamen einer Runde TABU zum Thema: Begriffe, die Dir zum Thema Wertsachen einfallen gleich.
Nachdem ich Handy, Autoschlüssel und Geldbeutel gefunden hatte, griff ich praktischdenkend noch zu einem Paar Socken (ganz klar, dass ich die ausnahmsweise gestern vorm Schlafen gehen ausgezogen habe), die ich ja draußen anziehen konnte und meiner Tabalugadecke, die mich schon auf mehreren Abenteuern meines Lebens (= Parisurlaub mit meiner Mutter [Mama Kekswesen: "Uah, wo sind denn da die Bettdecken? Die haben die Bettdecken im Zimmer vergessen" Kekswesen: "Mama, in vielen, wärmeren Ländern gibt es nur so eine Art Laken als Bettdecke" Mama Kekswesen: "Das nächste Mal fahre ich wieder ins deutschsprachige Ausland, die haben wenigstens Betten"] begleitet hat.
Also flüchtete die ganze Nachbarschaft inklusive mir nach draußen. Interessanterweise wurden auch neben der Stress- Aufnahmefähigkeit auch die Sehleistung im Stockfinsteren durch eine völlig unbeleuchtete Außentreppe getestet. Man mag gar nicht glauben, wie lustig es ist, in der Menge, schlaftrunken und im Finsteren eine Außentreppe runter zu laufen.
Nachdem rund 30 Minuten Panik geschoben wurde, ob die Brandschutztür vor meinem Zimmer geschlossen wurde, welcher Bereich in Notleidenschaft gezogen wurde
(Tor 1: Lehrküche oder Tor 2: EDV- Raum oder Tor 3: Internatszimmer) und jeder außer mir Rauch gesehen und gerochen hat durften wir wieder ins Zimmer zurück gehen- wohlgemerkt ohne dass Feuerwehr (zumindest keine unsichtbare) oder Polizei oder sonst jemand vor Ort war.
Ans Schlafen war dann zumindest nicht mehr zu denken, aber wann sonst schafft man es vor dem Aufstehen darüber nachzudenken, ob man abends nicht doch einfach mal mehr die Socken im Bett anbehalten lassen sollte...

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